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Wirtschaftsglossar

Insolvenzverfahren (Concurso de Acreedores)

Das Concurso de Acreedores ist Spaniens wichtigstes Insolvenzverfahren für Unternehmen und Privatpersonen, die ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Es kann in einem Gläubigervergleich (convenio) zur Schuldenrestrukturierung oder — bei fehlendem Einvernehmen — in der Liquidation des Schuldnervermögens enden. Es wird durch die Ley Concursal geregelt und von einem spezialisierten Handelsrichter beaufsichtigt.

Finanzen

Was ist das Concurso de Acreedores?

Das Concurso de Acreedores ist das formelle Insolvenzverfahren nach spanischem Recht, geregelt durch die Ley Concursal (Real Decreto Legislativo 1/2020, Texto Refundido). Es entspricht in etwa Chapter 11 (Sanierung) oder Chapter 7 (Liquidation) in den USA, der Administration oder Liquidation im Vereinigten Königreich bzw. dem Insolvenzverfahren in Deutschland.

Das Verfahren kann von jedem Schuldner — natürlicher oder juristischer Person — eingeleitet werden, der seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr regelmäßig erfüllen kann (insolvencia actual) oder absieht, dies in naher Zukunft nicht mehr tun zu können (insolvencia inminente).

Freiwillige vs. notwendige Antragstellung

ArtBeantragt durchFrist
Freiwillig (concurso voluntario)Der Schuldner selbstInnerhalb von 2 Monaten nach Kenntnis der tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit
Notwendig (concurso necesario)Ein Gläubiger, Arbeitnehmervertreter oder LiquidatorJederzeit bei offensichtlicher Zahlungsunfähigkeit

Der Schuldner hat eine gesetzliche Pflicht zur Antragstellung innerhalb von zwei Monaten nach Kenntnis der tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit. Eine nicht fristgerechte Antragstellung ist ein wesentlicher Faktor bei der Beurteilung, ob Geschäftsführer in der anschließenden calificación (Schuldhaftigkeitsprüfung) persönlich für nach dem Insolvenzzeitpunkt entstandene Schulden haftbar gemacht werden.

Verfahrensphasen

  1. Eröffnung (auto de declaración): Das Handelsgericht (Juzgado de lo Mercantil) prüft den Antrag und erklärt das Concurso formell. Ein Insolvenzverwalter (administrador concursal) wird bestellt — typischerweise ein unabhängiger Fachmann (Rechtsanwalt, Ökonom oder Wirtschaftsprüfer) ohne Verbindungen zum Schuldner.

  2. Gemeinsame Phase (fase común): Der Verwalter erstellt das Inventar der Vermögenswerte und die Liste der anerkannten Gläubiger. Gläubiger melden ihre Forderungen an; der Verwalter prüft und klassifiziert diese in bevorrechtigte (gesicherte), gewöhnliche und nachrangige Klassen.

  3. Abwicklungsphase: Zwei Alternativen:

    • Convenio (Gläubigervergleich): Der Schuldner oder die Gläubiger schlagen einen Plan vor — typischerweise mit Forderungsverzichten und Zahlungsstreckungen —, der von einer qualifizierten Gläubigermehrheit genehmigt und vom Gericht bestätigt werden muss. Der Schuldner setzt den Betrieb fort.
    • Liquidation (liquidación): Wird kein Vergleich genehmigt oder beantragt der Schuldner direkt die Liquidation, werden Vermögenswerte veräußert und der Erlös nach gesetzlicher Rangfolge an die Gläubiger verteilt.
  4. Schuldhaftigkeitsprüfung (calificación): Nur in Fällen, die in einer Liquidation enden. Beurteilt, ob die Insolvenz fortuita (unvermeidbar) oder culpable (durch Betrug oder grobe Fahrlässigkeit der Geschäftsführer verursacht) war. Eine culpable-Einstufung kann zur persönlichen Haftung der Geschäftsführer für das Schuldendefizit und zum Ausschluss von Leitungsfunktionen führen.

Vorinsolvenzliche Instrumente: Gerichtlich genehmigte Restrukturierungspläne

Die spanische Reform 2022 zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2019/1023 (Präventive Restrukturierungsrahmen) führte neue vorinsolvenzliche Instrumente ein:

  • Planes de Restructuración Homologados: Gerichtlich genehmigte Restrukturierungspläne, die durch klassenübergreifende Cram-Down-Mechanismen auch widersprechende Gläubigerklassen binden können — ähnlich dem britischen Restructuring Plan.
  • Acuerdos Extrajudiciales de Pago (AEP): Außergerichtliche Zahlungsvereinbarungen für kleinere Schuldner (Privatpersonen und KMU).

Diese Instrumente ermöglichen Unternehmen eine finanzielle Restrukturierung ohne formelles Insolvenzverfahren und erhalten so Unternehmenswert und Reputation.

Auswirkungen auf Verträge und Arbeitsverhältnisse

Nach Eröffnung des Concurso:

  • Können Vertragspartner Verträge mit dem Schuldner nicht allein wegen der Insolvenz einseitig kündigen (Anti-Ipso-Facto-Klauseln).
  • Können Arbeitsverträge durch ein besonderes, vom Gericht genehmigtes Expediente de Regulación de Empleo Concursal (EREC) geändert oder beendet werden.
  • Werden Aufrechnungsrechte der Gläubiger grundsätzlich ausgesetzt.

Wie BMC helfen kann

Unser Rechtsteam berät Geschäftsführer zu Frühwarnindikatoren für Insolvenz und ihren gesetzlichen Pflichten, verhandelt vorinsolvenzliche Restrukturierungsvereinbarungen mit Gläubigern, begleitet Concurso-Antragsstellungen und verteidigt Geschäftsführer in Schuldhaftigkeitsverfahren.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange hat ein spanisches Unternehmen nach Eintritt der Insolvenz Zeit, Insolvenzantrag zu stellen?
Ein spanisches Unternehmen ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb von zwei Monaten nach Kenntnis der tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Concurso de Acreedores zu stellen. Das Versäumnis, innerhalb dieses Zweimonatsfensters einen Antrag zu stellen, ist ein wesentlicher Faktor bei der Beurteilung, ob Geschäftsführer in der anschließenden Schuldhaftigkeitsprüfung persönlich für nach dem Insolvenzzeitpunkt entstandene Schulden haftbar gemacht werden. Eine freiwillige Antragstellung sobald die Zahlungsunfähigkeit erkennbar ist, bietet zudem größeren Schutz und mehr Verhandlungsflexibilität.
Was ist der Unterschied zwischen einem Convenio und einer Liquidation im spanischen Insolvenzverfahren?
Ein Convenio (Gläubigervergleich) ist ein vom Schuldner oder den Gläubigern vorgeschlagener Restrukturierungsplan, der von einer qualifizierten Gläubigermehrheit genehmigt und vom Gericht bestätigt werden muss. Er sieht typischerweise Forderungsverzichte und verlängerte Zahlungsfristen vor und ermöglicht dem Unternehmen den Weiterbetrieb. Eine Liquidation tritt ein, wenn kein Vergleich genehmigt wird oder der Schuldner sie direkt beantragt — das Vermögen wird veräußert und der Erlös nach gesetzlicher Rangfolge an die Gläubiger verteilt. Gesicherte Gläubiger (mit Immobilien- oder anderen Sicherheiten) werden zuerst bedient.
Was passiert mit Verträgen und Arbeitnehmern, wenn ein spanisches Unternehmen Insolvenz anmeldet?
Nach Eröffnung des Concurso de Acreedores können Vertragspartner Verträge nicht allein wegen der Insolvenz einseitig kündigen — Anti-Ipso-Facto-Klauseln verhindern eine automatische Beendigung. Arbeitsverträge können durch ein besonderes, vom zuständigen Handelsgericht zu genehmigendes Expediente de Regulación de Empleo Concursal (EREC) geändert oder beendet werden. Der FOGASA (Lohngarantiefonds) deckt im Insolvenzfall ausstehende Löhne und Abfindungen bis zu gesetzlichen Höchstgrenzen ab.
Welche vorinsolvenzlichen Restrukturierungsinstrumente stehen in Spanien zur Verfügung?
Die spanische Insolvenzreform 2022 führte EU-konforme vorinsolvenzliche Instrumente ein. Planes de Restructuración Homologados sind gerichtlich genehmigte Restrukturierungspläne, die durch einen klassenübergreifenden Cram-Down-Mechanismus auch widersprechende Gläubigerklassen binden können — ähnlich dem britischen Restructuring Plan. Acuerdos Extrajudiciales de Pago (AEP) bieten einen außergerichtlichen Zahlungsvereinbarungsrahmen für kleinere Schuldner, einschließlich Privatpersonen und KMU. Diese Instrumente ermöglichen eine Restrukturierung ohne formelles Insolvenzverfahren und erhalten so Unternehmenswert und Reputation.
Können Geschäftsführer im spanischen Insolvenzverfahren persönlich haftbar gemacht werden?
Ja. In Fällen, die in einer Liquidation enden, führt das Gericht eine Schuldhaftigkeitsprüfung (calificación concursal) durch, um festzustellen, ob die Insolvenz zufällig oder schuldhaft eingetreten ist. Eine schuldhafte Einstufung — aufgrund von Betrug, grober Fahrlässigkeit oder versäumter fristgerechter Antragstellung der Geschäftsführer — kann dazu führen, dass Geschäftsführer persönlich für das Schuldendefizit (den Teil der Gläubigerforderungen, der aus dem Unternehmensvermögen nicht befriedigt werden konnte) haftbar gemacht und bis zu 15 Jahre von Leitungsfunktionen ausgeschlossen werden.
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